Das erste Radrennen der Saison führt die Fahrer des Jedermannteams Jenatec in die schönen Auen der Elbwiesen bei Klöden. Auf der Fahrt schon grüßten uns die Störche von den Strommasten und in manchem Ort meinte man sich in die DDR zurückversetzt. Der Start des Rennens in Klöden allerdings war von so satten grünen Wiesen und einem idyllischen Wald umgeben, dass man sich glatt im Auenland wähnt. Ein Blick auf die Füße unserer Mitstreiter zeigte aber keine starke Behaarung, so dass dies wohl eine Tauschung war. Das recht überschaubare Starterfeld war geprägt von monströsen Oberschenkeln und fein ziselierten Waden, die eingeölt in der Sonne glänzten. Schon der Anblick versprach Schmerzen.
Die 72 km Runde wurde mit einem strammen Startsprint durch Univega eröffnet, der aber bald in eine kontrollierte aber flotte Fahrt überging. In jeder Runde bog das Feld von einer Landstraße auf einen schmalen Wirtschaftsweg ein, wer also seine Position vorher nicht gefunden hatte, konnte dort kaum noch Plätze gutmachen. Es herrschte recht starker Wind, so dass auch das Suchen von Windschatten enorm wichtig war. Tim und ich fanden uns bald am Ende des Feldes wieder. Zwar stimmt die Form, aber der Kopf fand es doch noch zu eng im Feld. Doch schon in der zweiten Runde waren die blau weiß gelben Trikots weiter vor zu sehen, um den Antritten und Tempoverschärfungen folgen zu können. Für mich endete das Rennen leider mit einem Knall. Ein Durchschlag am Hinterrad zwang mich an die Seite. Durch die freundliche Hilfe von Fotografen an der Strecke konnte ich den Schaden zwar reparieren, das Feld da aber schon zwei Runden weiter. Vielleicht sollte man doch nicht mit einem geschenkten billigen Trainingsreifen Rennen fahren. Da die Moral ungebrochen war, fuhr ich hinter dem Feld her. Tim schloss sich mir an, er hatte den Anschluss verloren, als er auf mich wartete. Die Auswertung der Pulsdaten sagt, dass wir von dem Zeitpunkt an den Laktatbereich kam mehr verlassen haben. Auch unseren beiden älteren Begleitern, die wir aufgegabelt hatten, sah man das nach und nach immer mehr an. Warum allerdings alle außer mir(mit halbplattem Hinterreifen) ihre Fahrräder um die Kurve trugen, habe ich nicht verstanden. Auf unserer lustigen, wenn auch vollkommen sinnlosen Verfolgungsjagd trafen wir auch Daniel, unseren dritten Mann, der in seinem ersten richtigen Jedermannrennen(also in einem Rennen mit Univega, Levrier ect) vom Tempo vollkommen überrollt wurde und bald aufgeben musste. Das bringt mich durchaus zu der Frage, wo in Klöden die Jedermänner eigentlich waren. Es ist verständlich, dass die Veranstalter keine Hobbyrennen mehr ausrichten, wenn sie mit Jedermannveranstaltungen die ganzen guten(und wie!) Sportler anziehen. Dem Radsport selbst wird damit meiner Meinung kein Gefallen getan, denn ein Hobbyfahrer wird sich nach einem Rennen wie Klöden sicher zweimal überlegen, ob er sich das noch mal antut.
Damit auch der dritte Stooge noch seinen Auftritt hat, musste auch Tim gegen Ende des Rennens mit Schmerzen in den Beinen aussteigen.
So kann man bilanzieren: sportlich ein Totalreinfall, landschaftlich eine Entdeckung und im Ganzen ein super schöner Tag! Denn wenn man gegen die orange, grüne, graue Macht fährt, dann sollte man den Spaß am Radsport nicht in Platzierungen messen, sonst wird es ganz bitter. An diesem Punkt möchte ich mich Franco Loreck anschließen, der darauf hinwies, dass bei einem solchen Rennen nicht jedes Risiko eingegangen werden muss. Ich habe den Zielsprint direkt von der Seite gesehen und ich bin froh, dass ich da nicht mehr dabei war!
Trotzdem Glückwunsch an den Sieger und die Platzierten! Ich wünschte, ich hätte Eure Beine.
Benjamin Paul
Fahrer:
Benjamin Paul
Tim Grundwald
Daniel Müller
Judith Lotz(mit gebrochenem Arm an der Strecke als Foto- und Winkmädchen)




















